Hässlich Leben

Liebe Zeichner, teert und federt mich, bin wieder super viel zu spät mit Einladen, aber fürs Teeren und Federn müßtet ihr erstmal zum Zeichnen kommen und da bin ich dann doch skeptisch, ob ihr kommt und lehne mich gern so weit aus dem Fenster.

Ein ganzes Corona-Jahr haben wir idyllische Dithmarscher Landschaften und Orte gezeichnet und als wäre das Thema damit abgefrühstückt fällt mir aufeinmal immer wieder auf, wie hässlich manche Wohngegenden sind und frage mich dann, wer dort wohl lebt und wie.

In Heide fällt mir immer wieder ein 3stöckiges Wohnhaus an der vielbefahrenen Kreuzung vor der Stadtbrücke auf, in meinem Rücken die Spielothek. Als ich davon gestern beim Biokisten-Packen erzählte, meinte meine Mitarbeiterin, es wäre noch besser, wenn man nach der Außenansicht auch eine Innenansicht zeichnen könnte. Das wär ein Thema nach meinem diesjährigen Geschmack!

Edward Hopper (* 22. Juli 1882; † 15. Mai 1967), berühmter Maler des Amerikanischen Realismus, hatte die Leere des modernen Lebens ins Visier genommen, hier in „Summer Evening“ von 1947.

Solche Leere fällt mir auch auf meinen Biokisten-Touren immer wieder auf, u.a. in sonderbaren Siedlungen mit Ein- bis Zweifamilienhäusern, nicht in die Landschaft „geschmiegt“, nein, für deren Bau man Landschaft wegplaniert hat, die völlig bezugslos dastehen und nur so tun, als wären sie Heimat – nicht bewohnt, nur untervermietet.

Ich möchte morgen nachmittag 14 Uhr auf besagter Kreuzung sitzen und wenn jemand dazukommt und das Abenteuer mit mir teilt, freue ich mich sehr!

Susanne (0170 856 2071)